Solltest du dein Geld in Sneaker investieren?

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Sneaker-Wiederverkauf wächst in der Popularität. Aber ist ja auch klar, wenn es Sneaker gibt, die für 40.000 Euro die Besitzer wechseln. Hier geht’s um einiges an Geld.

Der Sneakerhead-Kult begann vor 30 Jahren als Untergrundbewegung.

Heute, dank der zunehmenden Dominanz von “Athleisure” und Streetwear, ging’s in den letzten Jahren ziemlich rund für die Sneakerhead-Kultur.

Da die Zahl der Menschen, die daran interessiert sind, super geyhpte Sneaker-Releases zu erhalten, steigt, haben die Marken, die diese Sneaker verkaufen, von der Möglichkeit profitiert, indem sie die Knappheit als ihr Geschäftsmodell nutzen und eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage schaffen. So erzeugen sie natürlich automatisch einen maximalen Markenhype.

Dank dieser Marketing-Strategie gelingt es die Menschen dazu zu motivieren, tagelang außerhalb von Geschäften zu campen, um ein Paar Yeezys oder Air Jordans in limitierter Auflage in die Hände zu bekommen.

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Source: bz-berlin.de Martina Kaden

Im Jahr 2005 ermordeten zwei Männer in Chicago einen 17-Jährigen für ein Paar Air Jordans. Im Jahr 2012 wurden zwei Jugendliche, die erfolgreich Air Jordan 11’s gekauft hatten, in New Jersey ausgeraubt und erschossen. Im Jahr 2016 stellten sich über 500 Menschen vor einem adidas Store in Taiwan für NMD-Sneakers an und mehrere Menschen wurden bei der anschließenden Massenpanik verletzt. 2017 wurde ein Mann angegriffen, der sich für den atmos x Nike Air Max 1 vor einem Nike Store in Hongkong anstellte.

Bei diesen Schlagzeilen bekommt man schnell das Gefühl, dass es ein kaputtes System ist. Aber es gibt Menschen, die einen Sneaker für $1500 kaufen, obwohl die Hersteller ihn für $250 anbieten und akzeptieren dann das Chaos, damit die Leute ihn in die Finger bekommen.

Um das Problem zu lösen, hat sich Luber mit dem Besitzer des Basketballteams Cleveland Cavaliers, Dan Gilbert, zusammengeschlossen (der auch Eigentümer von Quicken Loans, dem größten Hypothekenkreditgeber der Vereinigten Staaten, ist) und 2016 StockX ins Leben gerufen, eine Website, die ein variables Preismodell verwendet, das auf dem gleichen System basiert, das auch für den Kauf und Verkauf von Aktien an der Börse und den Verkauf von Konsumgütern verwendet wird.

StockX-Yeezy-Static
StockX Beispiel am adidas Yeezy Boost 350 V2 Static Reflective

Weltweit wird der Sneaker-Wiederverkaufsmarkt zwischen fünf und sieben Milliarden US-Dollar geschätzt. Selbst wenn man sagt, dass es fünf Milliarden sind, liegt der primäre Sneaker-Einzelhandelsmarkt weltweit bei etwa 100 Milliarden, also ist dies immer noch ein ziemlich kleiner Anteil am Gesamtmarkt, so dass es viel Raum zum Wachsen gibt.

Bei einer solchen Gelegenheit ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass einige der Giganten der Modewelt begonnen haben, dem Planeten “Sneakerhead” Aufmerksamkeit zu schenken. Im Februar hat LVMH Luxury Ventures (der Risikokapitalarm des Luxuskonzerns Moët Hennessy Louis Vuitton) eine stille Beteiligung an einem in New York ansässigen Sneaker- und Streetwear-Wiederverkaufsgeschäft und einer E-Commerce-Site Stadium Goods getätigt. Die Marke, die 2015 von den New Yorkern Jed Stiller und John McPheters gegründet wurde, hatte vor der Beteiligung von LVMH 5,6 Millionen Dollar gesammelt und war auf dem besten Weg, 2017 ein Brutto-Warenvolumen von über 100 Millionen Dollar zu erreichen.

Und erst Ende Dezember 2018 gab der führende Online-Luxusmodemarktplatz Farfetch bekannt, dass er den Hauptkonkurrenten von StockX, Stadium Goods, für einen Unternehmenswert von 250 Millionen Dollar übernimmt. “Es ist selbstverständlich, dass es für unsere Firmen eine tolle Möglichkeit gibt, die Benefits des anderen zu nutzen, um einen höheren Marktanteil an einem interessanten und extrem schnell wachsenden Segment der Mode im Luxus-Bereich zu gewinnen”, sagte Farfetch Gründer, CEO und Co-Chairman José Neves über den Schritt.

Der Trick, um Geld zu verdienen, indem man Sneaker verkauft, ist, sie billig im Einzelhandel in die Hände zu bekommen, bevor man sie zu überhöhten Preisen verkauft.

Jeder, der es geschafft hat ein Paar Air Jordans aus der ersten Virgil Abloh’s Off White x Nike Collab in die Finger zu bekommen, hat die Sneaker beispielsweise für 200 Dollar oder 250 Dollar im Einzelhandel gekauft und konnte sie sofort für 1500 Dollar weiterverkaufen. So kann man sehr leicht einen fetten Gewinn erzielen. Und selbst anderthalb Jahre nach dem ersten Release sind die Resellpreise immer noch um ein vielfaches höher, als die Retailpreise.

Diejenigen, die nicht bereit sind, vier Tage außerhalb ihrer lokalen Nike Stores zu campen, haben in der Regel Erfolg, indem sie Verbindungen zu Ladenmanagern knüpfen, die Sneaker für sie zurückbehalten. Andere Sneakerfreks gehen bis zu äußersten Grenzen, indem sie Computerprogramme schreiben, um die Online-Shopsysteme an Veröffentlichungstagen zu hacken. Die sogenannten “Bots” legen auch heute noch, im Jahr 2019, regelmäßig Online Shops platt, auch wenn große Brands, wie Nike oder adidas bereits Lösungen gegen diese Bots etabliert haben.

Einige Teenager bauen so ernsthafte Geschäfte von ihren Schlafzimmern aus auf. Dabei werden meist mit den oben genannten Methoden ganze Lager an seltenen und limitierten Releases aufgebaut. Einer der bekanntesten jungen Geschäftsmänner, ist Benjamin Kapelushnik, der sogar Stars wie DJ Khaled oder Drake mit limitierten releases versorgt. Der 16-jährige hat so angeblich schon mehrere Millionen US-Dollar umsetzen können.

Benjamin-Kapelushnik
Source: complex.com

Marken verdienen nicht direkt mit dem Wiederverkauf, aber der Hype, der durch das begrenzte Angebot entsteht, ist eine fantastisch gute PR. Die Marken sind wirklich gut darin, die Dynamik von Angebot und Nachfrage zu verstehen, um Produkte auf den Markt zu bringen, die technisch unterversorgt sind. Das schafft Hype und Unruhen und dieses Ansehen ist gut für sie.

Und die Moral von der Geschichte?

Wenn du dich absolut nicht auskennst, solltest du dir die Finger nicht verbrennen. Denn der Hype um bestimmte Sneaker kann unter Umständen sehr schnelllebig sein. Bringt der Schuh beim ersten Drop noch mehrere 100% Gewinn ein, kann er schon bald nichts mehr “wert” sein, wenn der Hersteller sich dazu entscheidet deutlich größere Stückzahlen zu produzieren. Wenn du aber ein Gespür für freshe Sneaker hast und es deine Leidenschaft ist, dann hast du wirklich gute Karten in diesem Game. Wichtig ist nur, dass du dich nicht zu sehr versteifst auf das Geldverdienen, sondern Spaß am Sneaker hast.

Und mal ehrlich, am schönsten sind unsere Sneaker doch bei uns als Trophäen in unserem Schrank, oder an unseren Füßen.

Eine Idee zu “Solltest du dein Geld in Sneaker investieren?

  1. Erdal sagt:

    Ich hasse alle Reseller.
    Ich bin sein 20 Jahren Sneakerhead und es hat mich noch nie interessiert ob das ein Hype Sneaker ist oder nicht. Ich habe mir schon immer Sneaker gekauft die MIR gefallen und lasse mir noch von irgendeinem Typen sagen was cool ist oder nicht. Denke auch, dass genau dies das Problem von heute ist. Die Kids bekommen ständig von irgendwelchen Typen vorgesagt, dass man dies und das haben muss. Und dadurch entsteht diese Reseller und Buyer Szene. Wer von den Kids kannte den Off White oder Kaws bevor Nike die gepuscht hat. Genau das gleiche bei Bape und co. Ich habe mir schon in den 90er Jahren Bape Sachen bestellt, da haben mich noch die Leute blöd angeschaut. Und jetzt erzählen mir Kids mir welcher Sneaker geil oder Out ist. Habe selber einen 19 Jahre alten Sohn. Der trägt natürlich auch Jordan, Yeezy und co ABER der geht dafür neben seinem Studium arbeiten, dann lege ich natürlich gerne was drauf.

    Grüße von einem alten Sneakerhead

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